Best of… Rainer Wendt

Mittlerweile gehört zu jeder Debatte über Gewalt im Fußball oder problematische Fußballfans die Stimme von Rainer Wendt. Doch der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft äußert sich natürlich auch zu anderen kontroversen Themen gern. Da Wendt ein besonderes Talent für Populismus hat, ist die Aufregung oft groß. Würde man jedes Mal probieren, ihm zu widersprechen – es wäre ein Full-Time-Job. Nicht weil man argumentative Probleme hätte, sondern weil Wendt einfach sehr viel redet. Und allzu oft, spricht das Gesagte auch unkommentiert eine klare Sprache. Daher gibt es hier das: Best of… Rainer Wendt. 

Letzte Aktualisierung: 25. August 2015.
Die neuesten Einträge finden sich stets unten.


 

Zur Identitätskennzeichnungspflicht für Polizeibeamte (Die Bundesrepublik wurde bereits mehrfach von den United Nations und der Europäischen Union aufgefordert diesen Missstand zu beseitigen):

  • „Wieder einmal erleben wir, dass politische Mehrheiten nicht notwendigerweise etwas mit politischer Klugheit zu tun hat. Wir werden diesen gefährlichen Unfug, der unsere Kolleginnen und Kollegen und ihre Familien gefährdet, nicht mitmachen und notfalls auch juristisch gegen diesen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte vorgehen. Alle Einsatzkräfte sollen unter den Generalverdacht gestellt werden, Straftäter zu sein, dieser Politik sagen wir dauerhaften Widerstand an.“
  •  „Wie es aussieht, werden alle anderen Länder und auch die Bundespolizei diesen Unfug nicht mitmachen.
  •  „Es gibt überhaupt keine Veranlassung, alle Polizistinnen und Polizisten unter Generalverdacht zu stellen, sie könnten Straftäter sein, die man identifizieren muss. Es ist schon grotesk: Während vermummte Gestalten durch die Hauptstadt laufen, Autos und Wohnhäuser anzünden und Polizisten attackieren, müssen die Polizisten ihre Identität jedem Chaoten preisgeben. […] Das ist pure linke Klientelpolitik, sonst nichts.“

Zur Weigerung des Justizministeriums (rep. „der Justizministerin“) die Vorratsdatenspeicherung wieder einzuführen:

  • „Sie verhindert seit Monaten, dass schwerste Straftaten aufgeklärt werden und behauptet tatsächlich, der Freiheit zu dienen.

Über ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (eine der höchsten demokratischen Instanzen, die schon dem Namen nach die Verfassung schützen soll) zur Vorratsdatenspeicherung:

  • „Es darf nicht sein, dass die Politik tatenlos zusieht, wie uns das Gericht die Hände bindet.”
  • „Die Ermittler sollten jetzt spähen, soviel es geht, sonst werden der Polizei später fehlende Ermittlungserkenntnisse vorgeworfen.“

Zur Lage der Nation:

  • „Natürlich erwartet die Bundesregierung hier schwere soziale Unruhen. Man weiß, was sich da zusammenbraut, aber man verdrängt das in der Öffentlichkeit lieber.“

Zu den Grundrechten (die de jure alle gleich wichtig sind – auch der Datenschutz):

  • „Das wertvollste Bürgerrecht ist der Schutz vor Terror und Kriminalität“

Und zum amerikanischen Spähprogramm „Prism“:

  • Diese Politik wünschte ich mir auch in Deutschland und Europa.“

Zur bayrischen Polizei (bei Großdemos und Fußballveranstaltungen nicht gerade bekannt für die ihr hier zugeschriebenen Eigenschaften):

  • „Die bayerische Polizei ist bekannt für ihre Weltoffenheit und Gelassenheit.“

Zu (oft willkürlich ausgesprochenen) Stadionverboten:

  • „Diese Kritik kommt immer dann, wenn Stadionverbote ausgesprochen wurden, aber das sind wir gewohnt. Ich habe auch ganz selten Straftäter getroffen, die nicht „unschuldig“ waren.“

Nach dem Wolfgang Thierse einen Polizeieinsatz bei einer Demonstration kritisierte (wohl gemerkt ließ sich Wendt von der „Jungen Freiheit“ so zitieren. Eine Publikation, die man guten Gewissens als „sehr rechts“ deklarieren kann):

  • Thierse ist eine Schande für das deutsche Parlament. Ich habe großen Respekt vor dem Bundestag, aber ich schäme mich für seinen Vizepräsidenten. Er muß zurücktreten“

Zum sogenannten „Gewaltproblem“ im deutschen Fußball (das statistisch kein größeres Problem darstellt):

  • „Die Stehplätze gehören abgeschafft, die Zäune erhöht, und bei jeder Ausschreitung sollten für den Verein 100 000 Euro fällig werden. Wem zudem strenge Leibesvisitationen nicht passen, der soll vor dem Stadion bleiben müssen“
  •  “Am Runden Tisch drehen sich die Teilnehmer meist nur im Kreis. Die Innenminister müssen sich endlich gegen die Borniertheit der Vereine und Ligen durchsetzen“

Zu „Nacktzelten“ in denen sich Fußballfans komplett entkleiden sollen um Einlass ins Stadion zu erlangen:

  • „Die sind bei bestimmten Spielen absolut richtig und vernünftig. Die Aufregung der Fans verstehe ich nicht.“

Auf den Hinweis, dass die Polizeistatistik einige methodische Mängel aufweist und undifferenzierte Ergebnisse hervorgebracht hat:

  • „Also dieses Relativieren geht mir gehörig auf den Geist.“

Zur Arbeit der Fanbeauftragten und Fanprojekten im Allgemeinen:

  • „Die sogenannten Fanbetreuer sollte man von Zeit zu Zeit daran erinnern, auf welcher Seite sie stehen. Sie treten in zunehmenden Maße als Verharmloser auf.“
  • „Der DFB muss sich fragen, ob es nicht auch Aktionismus ohne Sinn gibt, wenn Geld für Bastelstuben von Ultra-Fans ausgegeben wird.“

Zur Belastung der Polizei beim Fußball (nebenbei… jeder Fußballverein zahlt Steuern):

  • „Wenn die Polizei wegen Personalmangels die Sicherheit nicht mehr gewährleisten kann, wird es zu einem Verbot von Bundesligaspielen kommen. Einen G8-Gipfel können wir nicht ausfallen lassen, als erstes fällt der Fußball aus.“
  • „Die Privilegien der Bundesliga sind schon jetzt unverdient, denn die Vereine sind kommerzielle Unternehmen. Ihre Übernahme durch Investoren würde unsere Forderung an den DFB noch verschärfen: eine Pauschalgebühr von 50 Millionen Euro pro Jahr“
LESETIPP:  Böhmermann und #verafake: Falsche Maßstäbe

Zu Gummigeschossen (die von der GdP und der Politik abgelehnt wurden):

  • „Wenn Wasserwerfer nicht mehr reichen, muss die Polizei als Antwort auf die Steine, Brandsätze und Stahlkugeln der Demonstranten Gummigeschosse einsetzen

Zum Einsatz der Polizei beim Spiel Schalke 04 gegen PAOK Saloniki, bei dem Beamte in die Stehplatzblöcke eindrangen und Gewalt anwendeten:

  • Das war verhältnismäßig und rechtmäßig. Wenn es jetzt zu Strafanzeigen gegen Beamte kommen sollte, wird die Justiz sicher zu dem gleichen Ergebnis kommen.“
  • „Der Einsatz von Pfefferspray und Schlagstock war richtig und notwendig, um das Einschreiten der Polizei durchzusetzen. Hier gab es  Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Man kann solch eine Fahne nicht aus dem Stadion beten. Wer sich gegen polizeiliche Maßnahmen zur Wehr setzt, musst damit rechnen, dass die Beamten ihre Zwangsmittel einsetzen. Ich kann nicht erkennen, dass dies unverhältnismäßig geschehen ist.“
  • „Die Kritik des Vereins Schalke 04 muss man zurückweisen. Zum Glück werden Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit von Polizeieinsätzen nicht von Fußballfunktionären beurteilt. Wir sind nicht auf dem Kinderspielplatz, sondern im Fußballstadion.“
  • „Wenn Herr Heldt und Herr Peters behaupten, der Pfefferspray- und Schlagstock-Einsatz seien unverhältnismäßig gewesen, muss ich sagen: Sie haben gar keine Ahnung und sollten öffentlich erst mal den Mund halten.
  •  „Die Funktionäre sitzen auf der Ehrentribüne und essen Canapés, während unsere Leute zwischen den Blöcken stehen und sich ihrer Haut erwehren müssen. Es ist eine Unverfrorenheit, die Polizei so anzugehen.“ 
  • „Man hat den Eindruck, in dieser Situation waren auf Schalke die Profis ausschließlich auf dem Platz zu finden.“

Und noch ein paar Worte zur allgemeinen Lage des Fußballs:

  • „Wir sind weit davon entfernt, eine Stimmung erzeugen zu wollen, die dazu führt, dass Familien nicht mehr ins Stadion gehen.
  •  „In der derzeitigen Situation müssen wir leider jedem Fußball-Fan sagen: Wer ins Stadion geht, begibt sich in Lebensgefahr.
  • „Klar, die Lebensgefahr für den DFB-Präsidenten und seinen Sicherheitschef ist überschaubar. Der Herr Zwanziger und der Herr Spahn können sich höchstens an den Schnittchen im VIP-Raum verschlucken.

Angesprochen darauf, wie man ein Stehplatz-Verbot nach Ausschreitungen in einem reinen Sitzplatz-Stadion fordern könne:

  • „Der Zusammenhang erschließt sich mir nicht.“

Und noch mal zum Thema Stadionverbote:

  • „Die Situation ist unerträglich! Wir müssen Vereine, die Stadionverbote nicht konsequent umsetzen, vor leeren Rängen spielen lassen und wir müssen Wiederholungstäter mit elektronischen Fußfesseln und lebenslangen Stadionverboten sanktionieren.“

Aber auch das Thema „racial profiling“ (Polizeikontrollen aufgrund von Hautfarbe ), das vom OVG Rheinland-Pfalz verboten wurde, beschäftigt Herrn Wendt:

  • „Man sieht wieder einmal, die Gerichte machen schöngeistige Rechtspflege, aber richten sich nicht an der Praxis aus.“

Befragt zum Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft, der vom bayrischen Innenministerium wegen seiner rassistischen Motive untersagt wurde:

  • „Das ist ja wohl absoluter Quatsch. Rassistisch schätzen das nur Leute ein, die auf der Suche nach Rassismus sind.
  • „Bei mir im Büro hängt er und da bleibt er auch hängen!“

Zurück zum Lieblingsthema namens „Fußballfans“: Nachdem zwei Mitglieder der Kölner Ultra-Gruppe „Boyz“ nur eine Woche nach Aufhebung ihres Stadionverbots nach einer Auseinandersetzung mit Fans des VfL Wolfsburg wieder von der Polizei in Gewahrsam genommen wurden, erklärt Wendt:

  • Bewährung nicht bestanden, Konsequenz: lebenslanges Stadionverbot.“

Bei beiden Betroffenen wurde das Stadionverbot übrigens aufgehoben, da ihnen keine Beteiligung an einer Straftat nachgewiesen werden konnte (und somit ist das auch keine „Begnadigung“, sondern eine juristische Normalität). Doch Wendt sagt in Bezug auf die Entscheidung des 1. FC Köln, diese Stadionverbote aufzuheben:

  • „Die Entscheidung hat für Kopfschütteln bei der Polizei von Flensburg bis Passau gesorgt.“
  • Fußball-Funktionäre sind gar nicht in der Lage, diese Gefahr vernünftig einzuschätzen.“

…to be continued.

Hinweis: Besonders schöne Ausdrücke wurden vom Autor gefettet, damit die diversen Widersprüche und Polemiken von Herrn Wendt deutlicher werden.


 

Quellenverzeichnis (in der Reihenfolge der Zitate):

1. http://www.dpolg.de/front_content.php?client=1&idcatart=1111&lang=1
2. http://www.faszination-fankurve.de/index.php?head=quotDie-Polizisten-werden-mit-diesem-Thema-umzugehen-wissenquot&folder=sites&site=news_detail&news_id=3884
3. ebenda
4. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/vorratsdatenspeicherung-diese-politik-ist-freiheitsfeindlich/6002712.html
5
. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/polizeigewerkschaft-versus-verfassungsgericht-die-jetzt-erst-recht-ueberwacher-a-817428.html

6. ebenda
7. http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/tid-26216/fuenf-experten-reden-klartext-die-wahrheit-ueber-den-euro-crash-kommt-es-zum-buergerkrieg_aid_769490.html
8. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/lob-der-polizeigewerkschaft-fuersprecher-in-deutschland-fuer-obamas-netz-spionage/8319284.html
9. ebenda
10.http://mobil.stern.de/panorama/polizeigewalt-in-bayern-faustkaempfer-in-uniform-1968268.html
11.siehe 2.
12.Der Autor verlinkt aus Prinzip nicht auf die „Junge Freiheit“.
13.http://www.focus.de/sport/fussball/fan-randale-im-fussball-polizei-gewerkschaft-will-stehplaetze-in-stadien-abschaffen-_aid_760021.html
14.http://www.sueddeutsche.de/sport/sport-kompakt-mitchell-weiser-vor-wechsel-zu-bayern-muenchen-1.1369591-2
15.http://web.de/magazine/sport/fussball/sonstiges/16776998-nacktzelte-absolut-vernuenftig.html
16.http://www1.wdr.de/themen/sport/fussballinterview100.html
17.http://blog.zdf.de/zdflogin/2011/11/07/polizeigewerkschaft-fanbetreuer-verharmlosen/
18.http://www.taz.de/!49993/
19.http://www.spiegel.de/sport/fussball/warnung-der-polizeigewerkschaft-als-erstes-faellt-der-fussball-aus-a-599924.html
20.ebenda
21.http://www.taz.de/!94731/
22.http://www.11freunde.de/artikel/dfl-chef-reinhard-rauball-rueffelt-polizei-chef-rainer-wendt
23.http://www.muensterlandzeitung.de/sport/schalke/news/Interview-Pfefferspray-und-Schlagstock-waren-richtig-und-notwendig;art15837,2101734
24.ebenda
25.http://sportbild.bild.de/SPORT/fussball/2013/08/28/pro-und-contra/pro_20wendt/leib-und-leben-stark-in-gefahr.html
26.ebenda
27.ebenda
28.ebenda
29.http://web.de/magazine/sport/fussball/sonstiges/16776998-nacktzelte-absolut-vernuenftig.html
30.http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/516506/artikel_Stadionverbote-auf-Verdacht-zulaessig.html
31.http://www.reviersport.de/98591—.html
32.http://www.youtube.com/watch?v=wuMMK1MwZkQ&feature=youtu.be
33.http://www.bild.de/sport/fussball/fans/fussfesseln-fuer-wiederholungstaeter-27310506.bild.html
34.http://www.welt.de/politik/deutschland/article110401181/Hautfarbe-darf-kein-Kontrollgrund-sein.html
35.http://www.vice.com/de/read/news-kalender-polizei-rassismus-bayern-rainer-wendt
36.ebenda
37.http://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/1508/News/koeln-boyz-rueckfall-rainer-wendt-lebenslage-stadionverbote.html
38.ebenda
39.ebenda

18 thoughts on “Best of… Rainer Wendt

  1. Das klingt teilweise sogar lustig, ist aber keineswegs lustig.
    Herr Wendt ist ein gemeinwohlgefährdender ultragefährlicher Brandstifter!

    Aber auch für ihn gilt das Recht seine Meinung äußern zu dürfen, selbst wenn andere dieses Recht für ihn verteidigen müssen.

  2. Überfällig!

    M.E. hat er sich auch besonders schäbig zum Thema „racial profiling“ geäußert. „Man sieht wieder einmal, die Gerichte machen schöngeistige Rechtspflege, aber richten sich nicht an der Praxis aus.“

    Gehört unbedingt mit rein.

  3. Außerdem ist mir aufgefallen, dass die krasseste Aussage zum Spiel Schalke – Saloniki noch fehlt: „Wir sind nicht auf einem Kinderspielplatz, sondern im Fußballstadion“ als Legitimation der grundlosen Polizeigewalt, die sich u.a. gegen Frauen, Kinder, Ordner und Sanitäter richtete.

  4. Auch der Satz „Irgendwann wird es den ersten Toten geben“ in Bezug auf Fußball gehört hier noch rein. Unerträgliche Aussagen von Rainer Wendt finden sich wie Sand am Meer…

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